Gewalt im Krankenhaus bleibt Herausforderung

Aggressionen, Bedrohungen und körperliche Übergriffe gehören für viele Beschäftigte in Krankenhäusern inzwischen zum Berufsalltag. Insbesondere Notaufnahmen sind bundesweit in besonderem Maße betroffen.

66 Prozent der deutschen Krankenhäuser gaben laut einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im November 2025 an, dass die Zahl der Übergriffe gestiegen ist: 42 Prozent berichten von einem mäßigen Anstieg, 22 Prozent von einem deutlichen. 95 Prozent verzeichnen Übergriffe in der Notaufnahme. Ähnliche Erfahrungen macht auch das Klinikum Hochrhein. Bereits vor der COVID-19-Pandemie entschied sich das Klinikum daher aufgrund zunehmender Übergriffe in der Zentralen Notaufnahme für den Einsatz eines Sicherheitsdienstes in den Abend- und Nachtstunden, eine Maßnahme, die bis heute fortgeführt wird.

„Die Notaufnahme ist ein hochdynamischer Bereich, in dem Menschen in Ausnahmesituationen aufeinandertreffen“, erklärt Christoph Schmitz, Leiter der Zentralen Notaufnahme. „Alkohol- oder Drogenintoxikationen, akute psychische Krisen oder extreme emotionale Belastungen können sehr schnell zu aggressivem Verhalten führen. Unser medizinisches und pflegerisches Personal ist dafür da, zu helfen – nicht, um sich selbst in Gefahr zu bringen.“ Oliver Schreiner, pflegerischer Leiter der Zentralen Notaufnahme ergänzt: „Wir erleben nahezu täglich Gewalt – oft beginnt sie bereits verbal. Getrieben von Sorgen, Ängsten und Unsicherheiten befinden sich viele Menschen in der Notaufnahme in einer Art Ausnahmezustand. Zu unserem Auftrag gehört es daher auch, deeskalierend zu wirken. Doch das ist nur bis zu einem gewissen Punkt möglich. Für alles, was darüber hinausgeht, sind wir froh, einen Sicherheitsdienst im Haus zu haben.

Die Einsatzübersichten des Sicherheitsdienstes zeigen, dass es regelmäßig zu sicherheitsrelevanten Situationen kommt, bei denen Mitarbeitende geschützt und Eskalationen verhindert werden müssen – und dies nicht nur in der Zentralen Notaufnahme. Vier Beispiele aus dem Klinikalltag verdeutlichen die Bandbreite der Herausforderungen:

  • Im Juli 2025 trat ein Patient massiv aggressiv auf, schlug auf Inventar ein und bedrohte Mitarbeitende. Nur durch das sofortige Eingreifen des Sicherheitsdienstes konnte eine Eskalation verhindert werden.
  • Im August 2025 griff ein Patient Pflegepersonal körperlich an, trat, schlug und versuchte zu beißen. Über einen längeren Zeitraum war eine aktive Bewachung erforderlich.
  • Im Dezember 2025 befand sich ein Patient in einer psychischen Ausnahmesituation und versuchte, sich mit einem Messer zu verteidigen. Der Sicherheitsdienst musste eingreifen und bis zum Wirkeintritt der medikamentösen Behandlung vor Ort bleiben. Es bestand eine erhebliche Gefährdung für Mitarbeitende, Mitpatienten und den Patienten selbst.
  • Ebenfalls im Dezember 2025 musste ein aggressiver Patient, der von der Polizei eingeliefert worden war und zuvor eine Polizistin verletzt hatte, mit Unterstützung des Sicherheitsdienstes ruhiggestellt werden.

Diese Beispiele stehen stellvertretend für eine Vielzahl an Vorfällen. Allein im Zeitraum von Mai bis Dezember 2025 kam es am Klinikum Hochrhein zu mindestens 46 dokumentierten sicherheitsrelevanten Vorfällen, bei denen ein Eingreifen des Sicherheitsdienstes erforderlich war. Das entspricht durchschnittlich ein bis zwei schwerwiegenden Situationen pro Woche. Zusätzlich wird der Sicherheitsdienst nahezu täglich präventiv tätig, etwa zur Deeskalation, Zugangskontrolle oder Unterstützung des Personals, bevor es überhaupt zu eskalierenden Situationen kommt.

Mehr als die Hälfte der dokumentierten Vorfälle betraf aggressives oder gewalttätiges Verhalten gegenüber Mitarbeitenden, darunter körperliche Angriffe, Bedrohungen oder massive Sachbeschädigungen. In rund 40 Prozent der Fälle standen Alkohol- oder Drogenintoxikationen im Zusammenhang mit dem Einsatz, in etwa einem Drittel psychische Ausnahmesituationen oder Verwirrtheitszustände. In rund 30 Prozent der Fälle mussten Personen aus dem Haus verwiesen oder bestehende Hausverbote durchgesetzt werden. In etwa jedem fünften Vorfall war die Polizei eingebunden. Rund 60 Prozent der sicherheitsrelevanten Einsätze ereigneten sich in der Zentralen Notaufnahme. Weitere etwa 25 Prozent entfielen auf Stationen, der restliche Anteil auf öffentlich zugängliche Bereiche wie den Eingangsbereich. Die Zahlen zeigen, dass sicherheitsrelevante Situationen keineswegs auf einen einzelnen Bereich beschränkt sind, sondern den gesamten Klinikbetrieb betreffen. „Diese Situationen sind für alle Beteiligten extrem belastend“, so Schmitz weiter. „Allein die sichtbare Präsenz von Sicherheitspersonal wirkt häufig deeskalierend. In vielen Fällen verhindert sie, dass es überhaupt zu körperlicher Gewalt kommt.“

Auch aus Sicht der Geschäftsführung ist die Sicherheitspräsenz Ausdruck klarer Verantwortung. „Der Schutz unserer Mitarbeitenden hat oberste Priorität“, betont Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt. „Ärzte, Pflegekräfte sowie Mitarbeiter in Verwaltung und Service dürfen nicht allein gelassen werden, wenn Situationen eskalieren. Sicherheitsdienste sind kein Luxus, sondern ein notwendiger Bestandteil eines verantwortungsvollen Krankenhausbetriebs.“

Neben Gewalt kommt es im Klinikalltag auch immer wieder zu Diebstählen. Betroffen sind dabei nicht nur Patienten, sondern auch Mitarbeitende. Trotz einzelner Anzeigen, sind die Handlungsmöglichkeiten angesichts der Vielzahl täglich eintretender Personen begrenzt. Das Klinikum weist daher verstärkt darauf hin, Wertsachen nach Möglichkeit nicht mit ins Krankenhaus zu bringen. „Das Klinikum Hochrhein ist ein offener Ort der medizinischen Versorgung und menschlichen Zuwendung. Gerade deshalb ist es unerlässlich, klare Grenzen zu ziehen und diejenigen konsequent zu schützen, die tagtäglich Verantwortung für andere übernehmen. Gewalt darf im Krankenhaus keinen Platz haben – weder gegen Patienten noch gegen Mitarbeitende“, so Schlaudt abschließend.