„Wir stehen im Grenzgebiet in einem direkten internationalen Wettbewerb um Pflegepersonal“, erklärt Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer der Klinikum Hochrhein GmbH. „Höhere Einkommen und teilweise bessere Personalschlüssel auf der Schweizer Seite wirken sich spürbar auf die Personalgewinnung und -bindung aus. Diese strukturelle Benachteiligung kann von einzelnen Krankenhäusern nicht ausgeglichen werden.“ Deshalb fordert das Klinikum Hochrhein seit Jahren einen Grenzzuschlag durch die Krankenkassen, um die Attraktivität der Arbeitsplätze im Grenzraum nachhaltig zu sichern. „Die aktuell diskutierte Studie liefert aus unserer Sicht einen spannenden wissenschaftlichen Beitrag, weil sie strukturelle Risiken für Grenzregionen sichtbar macht und damit das unterstreicht, was wir seit Langem ansprechen“, so Schlaudt weiter. „Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen, dass sich die Ergebnisse auf regionale Durchschnittswerte beziehen. Konkrete Aussagen für einzelne Krankenhäuser oder Standorte lassen sich daraus nicht unmittelbar ableiten.“

Der anhaltende Fachkräftemangel führt dazu, dass das Klinikum Hochrhein immer wieder vor der Entscheidung steht, Patientenaufnahmen zu begrenzen oder kurzfristig Personal über Arbeitnehmerüberlassung einzusetzen, um die Versorgung im Landkreis aufrechtzuerhalten. Allein im Jahr 2024 beliefen sich die Ausgaben für Arbeitnehmerüberlassung auf rund sechs Millionen Euro. Diese Kosten werden von den Krankenkassen jedoch lediglich in Höhe der tariflichen Vergütung erstattet, was etwa 40 Prozent der tatsächlichen Aufwendungen entspricht. Die daraus entstehende Finanzierungslücke muss durch den Landkreis ausgeglichen werden, der das Klinikum seit Jahren finanziell stützt, um die stationäre Versorgung in der Region zu sichern. „Hinzu kommt, dass die ambulanten ärztlichen Strukturen im Landkreis Waldshut zunehmend ausgedünnt sind“, betont Schlaudt.

„Viele Patientinnen und Patienten kommen dadurch erst spät und mit fortgeschrittener Erkrankung ins Krankenhaus. Das erhöht die Komplexität der Behandlung und belastet die stationäre Versorgung zusätzlich, unabhängig von der personellen Situation im einzelnen Krankenhaus.“

Vor diesem Hintergrund ist klarzustellen: Versorgungsengpässe können das Risiko vermeidbarer Fehler erhöhen, nicht weil Mitarbeitende unprofessionell arbeiten, sondern weil Zeit, Personal und Handlungsspielräume knapper werden. Gerade deshalb ist eine sachliche Diskussion notwendig, die strukturelle Ursachen benennt und nicht vorschnell einzelne Einrichtungen oder Berufsgruppen verantwortlich macht. „Unser Krankenhaus steht weiterhin für eine sichere und qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung im Grenzraum“, so Schlaudt abschließend. „Damit dies auch langfristig möglich bleibt, braucht es verlässliche, regional angepasste Rahmenbedingungen. Krankenhäuser im ländlichen Grenzraum arbeiten unter anderen Bedingungen als Einrichtungen in Ballungszentren und dürfen nicht nach identischen Maßstäben beurteilt werden. Ein Grenzzuschlag wäre ein wichtiger erster Schritt, um diesen besonderen Herausforderungen angemessen zu begegnen.“